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Eine ganz normale außergewöhnliche Geburt
Jede Geburt für sich genommen ist außergewöhnlich
und ganz besonders, neues Leben beginnt und Aufregungen, Befürchtungen,
Freude und Stolz gehören einfach dazu.
Hummel weckte mich in der Nacht von
Freitag auf Samstag um 3 Uhr mit Hecheln und Fiepen. Um 7 Uhr
beschlossen wir Michael zu wecken, der extra Urlaub genommen hatte
und in der als Wurfzimmer umgestalteten Küche schlief, um bei
Hummel zu sein!
Vorerst noch betont gelassen gingen wir
in den Vormittag, frühstückten, führten Hummel durch den Garten,
versuchten sie zu ermuntern und erledigten letzte Notwendigkeiten für
den Wurf. Alles stand bereit:
Die ganze homöopathische Batterie für
alle möglichen Eventualitäten, Einmal-Spritzen, sterile Bänder,
Scheren, Seitenschneider, Nagelknipser, zum Abnabeln, mehrere Eimer,
Einmal-Handschuhe, Vaseline, hochprozentiger Alkohol, Sagrotan,
Fubriase Calcium, Fieber-Thermometer, Raum-Thermometer, Waage, Tücher,
Laken, Babykorb, Wärmflasche, Babymilch mit Sauger, Fläschchen,
Stifte, vorgefertigte Welpenbögen, Welpenbänder, Nagellack,
Fotoapparat mit geladenen Akkus, Telefonnummern, Handbuch – alles
peinlichst gesäubert bzw. abgekocht oder desinfiziert. Wir hatten
unsere Hausaufgaben gut gemacht und waren nach den Vorgaben von Inge
Hansen (Autorin und Referentin: Handbuch zur Hundezucht) bestens
vorbereitet, hatten alle möglichen Komplikationen im Hinterkopf und
erwarteten gespannt die Dinge, die da kommen sollten.
Ein Mittagsschläfchen wurde zwar angestrebt, aber die Aufregung und
Hummels Hecheln und Piepen ließen uns doch nicht so recht zur Ruhe
kommen.
Gegen 15 Uhr dann marschierte Hummel in
ihre Wurfkiste – klasse – nun sollte es also richtig losgehen!
Gebannt saßen wir auf dem Bett,
beobachteten Hummel, redeten ihr gut zu, boten ihr Wasser an und
drehten kleine Runden an der kurzen Leine durch den Garten.
Wahrscheinlich wusste Hummel mit
unserem Verhalten so gänzlich nichts anzufangen, denn weder nahm
sie vom dargebotenen Wasser, noch sah sie eine Notwendigkeit, sich
an der kurzen Leine im Garten zu lösen…. und es passierte….
- nichts!
Nun war sie bereits 12 Stunden am
Hecheln, Fiepen und Scharren und so langsam kroch die Unruhe in uns
hoch: Was, wenn es nun doch wieder zu einer Querlage gekommen war
und unsere Hummel sich unnütz verausgabte? Wenn man einmal vom
Tierarzt in einer ähnlichen Situation nach überstandenem
Kaiserschnitt ein „das war gerade noch in letzter Minute“ gehört
hat, ist es schwierig, sich vor Augen zu führen, dass Hummel ja
beileibe nicht so gequält aussah wie beim letzten Mal und bis auf
leichte Zieh-Bewegungen am Bauch keine echten Press-Wehen erkennbar
waren.
Gott sei Dank gab es die heißen Drähte
zu befreundeten routinierten Eurasier-Züchtern und zu unserer sehr
geschätzten Tierärztin. „Alles verläuft vollkommen normal!“
war die einhellige Meinung. Auch die Temperatur-Messungen und der
Tide-Kalender deuteten darauf hin, dass es noch einige Stunden
dauern könnte. Aus Hummels Sicht war es sicherlich auch sehr
absonderlich, in der Wurfkiste sitzend oder zu liegend unentwegt von
den 2 Chefs erwartungsvoll angestarrt zu werden.
Also, einmal runtertakten, tief
durchatmen und ein möglichst alltägliches Programm fahren.
Auf den bekannten Schlachtruf: „Ja
– woll’n wir denn feiiiiin ausgeh’n?“ stand unsere werdende
Mama parat bei Fuß und drehte in altbekannter Manier mit Grizzly
eine Runde auf unserer so genannten „Kacki-Autobahn“, zog dann
allerdings wieder kraftvoll und zielstrebig auf ihre Wurfkiste zu,
kratzte dort, rannte in den Garten und scharrte unter dem Taxus,
alles gut beobachtet, denn einen Welpen unterm Busch wollten wir
- Gott bewahre - nicht übersehen.
Um 20 Uhr war Fernsehzeit angesagt, das
belangloseste Programm, das zu finden war.
Als Hummel um 22 Uhr hoch ins
Schlafzimmer stiefelte und sich vor mein Bett legte, beschloss auch
ich, etwas Bettruhe zu tanken. Licht aus…. Licht an und gucken, -
so rechte Ruhe mochte sich neben der fiepsenden Hummel nicht
einstellen.
Gegen 23.15 muss ich dann wohl doch
etwas weggeschlummert sein, jedenfalls fand ich es sehr unhöflich,
als Michael um 23.30 das Licht anknipste: „Da hat doch was
gequiekt!“
Was? Wo? Unglaublich! Da lag, fertig
ausgepackt und abgenabelt ein Hummel-Baby an Mamas Zitzen und wurde
trocken geleckt! Hatte
doch unsere eigenwillige Brummsel gewartet, bis alles schlief und
sich die „ungewaschenste“ Hundedecke in dem schmalen Gang
zwischen meinem Bett und der Wand ausgesucht! Ihr erstes
Selbstgeborenes so instinktsicher und großes Aufhebens versorgt, so
leise, dass nur der erste Quieker der kleinen offensichtlich roten Hündin
zu hören war! Hatte sie doch all unsere desinfizierten
Vorbereitungen so ungewürdigt verschmäht!
Pragmatisch, aber für Außenstehende
sicherlich ein Bild für die Götter, schoben wir ihr, ich bäuchlings,
quer und kopfüber auf dem Bett liegend und Michael mit Grizzly im
Gang gequetscht, große Einmal-Unterlagen unter. Gerade noch
rechtzeitig vor dem Zerplatzen der nächsten Fruchtblase. Nun
konnten wir bestaunen, wie unkompliziert Hummel die Erstversorgung
übernahm und Grizzly helfen ließ.
Die Pause nach der zweiten Geburt
nutzen wir für den Umzug in die Wurfkiste, hier gebar Hummel ganz
unspektakulär ihre weiteren 4 munteren Sprösslinge, die Michael
zum größten Teil allein begleitete, er hatte mich doch holen
wollen, wenn es weiter geht!
Gegen 7 Uhr in der Früh, nach
Abschluss der Geburt, blickten wir mit einem Schmunzeln auf die
ganzen „sterilen“ Vorbereitungs-Gegenstände: Fast nichts hatten
wir gebraucht, nur das „Hochprozentige“, das brauchten wir jetzt
- und eine Riesen-Mütze voll Schlaf!

Unser B-Wurf - gerade trocken hinter den Ohren
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